📆

April 4, 2020

⏳ Zeit zum lesen

Minuten 

Ist das Holz fressen schädlich für meinen Hund?

Im Prinzip ist das Knabbern auf Holz bei Hunden nichts Ungewöhnliches, du musst dir also nicht grundsätzlich Sorgen machen, wenn dein Hund immer mal an einem Stöckchen herumknabbert.

Auch wenn er beim Holz fressen, Teile davon verschluckt, ist dies nicht immer gleich ein Grund zur Besorgnis. Hunde knabbern und kauen gerne und es ist für sie nicht nur eine Beschäftigung, sondern reinigt obendrein noch die Zähne und massiert das Zahnfleisch. Das Kauverhalten eines Hundes basiert also eher auf einem instinktiven Bedürfnis und ist daher ganz normal.

Gerade Welpen kauen und nagen gern während des Zahnwechsels auf Holz herum, ähnlich wie kleine Babys, die während der Zahnung auf einem Beißring herumkauen.

Trotzdem kann natürlich beim Anknabbern oder Fressen von Holz so manches passieren, weshalb es sinnvoll sein kann, dem Hund eine Alternative zu Stöckchen und Ästen anzubieten.

Denn nicht immer bleibt das Kauen und Fressen von Holz ohne Folgen.

So kann es zum Beispiel passieren, dass:

  • sich durch intensives Kauen Holzsplitter ablösen und den Gaumen, die Lefzen, die Zunge oder das Zahnfleisch verletzen oder zwischen den Zähnen steckenbleiben,
  • besonders spitze Holzteile schlimmstenfalls beim Schlucken die Speiseröhre oder Magen- und Darm verletzen,
  • oder dein Hund aus Versehen beim Einatmen winzige Holzsplitter einatmet.

Welches Holz darf vom Hund gefressen werden?

Davon abgesehen, ist Holz auch nicht immer Holz. Wenn dein Hund auf einem Ast einer giftigen Pflanze wie beispielsweise der Eibe, herumkaut, kann so etwas unter Umständen zu einer Vergiftung oder einer Reizung der Schleimhäute führen.

Es ist auch ein Unterschied, ob dein vierbeiniger Liebling auf einem Stöckchen herumknabbert oder ein chemisch behandeltes Holzstück zerlegt und Teile davon herunterschluckt.

Es gibt mittlerweile zahlreiche Alternativen, die du deinem Hund anbieten kannst, damit er nicht immer an Holz herumknabbert oder dieses sogar regelrecht frisst. Trotzdem ist es in Ordnung, wenn er im Garten oder beim Spazierengehen genüsslich an einem Stöcken herum nagt.

Wenn er jedoch immer wieder und auffällig oft Holz regelrecht frisst, dann kann dies auch Ursachen haben, die du herausfinden solltest.

Woran kann es liegen, wenn ein Hund immer wieder Holz benagt und frisst?

1. Stress als mögliche Ursache

Nicht nur Instinktverhalten kann als Ursache für das Holzfressen infrage kommen.

Auch bei Hunden, die nach Aufmerksam suchen, oder ständig gestresst sind, kann es vorkommen, dass diese ständig auf der Suche nach etwas zum Kauen sind.

Hunde, die oft alleine sind oder zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, suchen sich manchmal im Holzfressen eine Ersatzbeschäftigung.

Aber genauso wichtig ist es dem Hund Ruhe zu gönnen. Viele unserer Hunde kommen ihrem Ruhebedürfnis von ca. 20 Stunden/Tag gar nicht mehr nach und sind deshalb extremst gestresst.

2. Mangelerscheinungen als Ursache


Frisst dein Hund nicht nur Holz, sondern auch andere, eigentliche schlecht verdauliche Dinge oder den Kot anderer Tiere? Dies könnte ein Anzeichen für eine Mangelerscheinung sein.

Vielleicht fehlen deinem Hund wichtige Nährstoffe, Enzyme oder Darmbakterien, sodass er diesen abnormen Appetit auf unverdauliche Substanzen entwickelt, um den Nährstoffdefizit auszugleichen.
Auch ein Mangel an Faser- und Ballaststoffen könnte hinter übermäßigem Holzfressen stecken.

3. Leckanfälle bzw. Licky fits als Ursache

Leidet dein Hund an diesen Fress und-Leckanfällen, die auch als Pica-Syndrom bekannt sind, erkennst du das an folgendem Verhalten:

  • dein Hund frisst Rindenmulch oder Erde
  • dein Hund frisst Holz, Gras, Taschentücher, Zimmerpflanzen,
  • er knabbert die Fugenmasse zwischen den Fliesen aus
  • leckt ständig alles ab, schmatzt und würgt
  • er wirkt dabei panisch und zwanghaft

Diese Leckanfälle sind Folge von Erkrankungen im oberen Magen-Darmbereich eines Hundes. Das heißt, sie deuten auf Probleme in der Speiseröhre, dem Magen oder dem oberen Dünndarmabschnitt hin.

Hierbei kann es sich um eine organische Störung handeln, es kann aber auch sein, dass dein Hund eine Substanz in seinem Futter nicht verträgt. In den meisten Fällen ist tatsächlich eine Allergie oder ein Fütterungsfehler die Ursache für das Problem und die daraus folgenden Leckanfälle.

Folgenden Ursachen für das Licky fits- Syndrom können ebenfalls in Frage kommen:

  • Zuviel oder Zuwenig Magensäure
  • Das Verhältnis zwischen Fleisch und Gemüse ist ungünstig
  • Sodbrennen bzw. Reflux
  • Organisch bedingte Verdauungsstörungen oder andere Grunderkrankungen
  • Verschiedene Medikamente, die zu Verdauungsstörungen führen können
  • Psychische Ursachen, zum Beispiel bei Tierheimhunden (Stereotypie/Zwangshandlung)

In jedem Fall solltest du deinen Tierarzt um Rat fragen, um organisch bedingte Ursachen auszuschließen.

In den meisten Fällen genügt eine konsequente Futterumstellung, damit es dem Hund wieder besser geht. Die Ernährung eines Hundes sollte immer ganz individuell erfolgen, denn nicht jeder Hund verträgt alles und auch der Bedarf an Nährstoffen muss individuell angepasst sein. Eine Darmreinigung kann auch hilfreich sein in diesem Fall.

Je nach Alter, Größe, Gewicht und körperlicher Beanspruchung ist der Bedarf ein anderer und was das Beste für die Gesundheit eines Hundes ist, hängt somit von vielen Faktoren ab.

4. Trennungsangst als Ursache

Hunde, die zu oft allein gelassen werden, kauen oft als Trost oder aus Nervosität auf Dingen herum, da dies einen beruhigenden Effekt für sie hat.

In der Natur ist ein Rudel stets zusammen. Nur alte, kranke und sterbende Tiere bleiben zurück, weshalb das Alleinsein für einen Hund vorerst eine potenzielle Gefahr darstellt. Er fühlt sich hilflos und kann nicht verstehen, weshalb er allein zurückgelassen wird. Deshalb ist es wichtig, dass du dies mit deinem Hund behutsam und regelmäßig übst, damit diese natürliche Angst durch positive Erfahrungen überdeckt wird und er darauf vertrauen lernt, dass du immer wieder zurückkommst. Dein Hund kennt keine Zeit und 5 Minuten können ihm schon unendlich lang vorkommen. Doch Hunde sind lernfähig und wenn du regelmäßig mit deinem Hund trainierst, wird es irgendwann kein Problem mehr sein, ihn für 3 Stunden oder mehr alleinzulassen, ohne dass er Holz, Schuhe oder andere Dinge zerbeißt.

Hol dir dazu am besten mein kostenloses E-Book: Hilfe mein Hund kann nicht alleine bleiben! Darin enthalten ist ein Deckentraining, mit dem du deinem Hund das alleine bleiben beibringen kannst.

5. Das Holzkauen als natürliches Verhalten, besonders beim Welpen

Allgemein ist das Kauen auf Gegenständen (zum Beispiel Knochen) ein angeborenes, normales Verhalten. Für Welpen gilt dies ganz besonders, denn ähnlich wie Babys, möchten sie die Welt auch über den Geschmack kennenlernen und knabbern gern an allem herum.

Auch während des Zahnwechsels haben Babys und Welpen so einiges gemeinsam. Da der Zahnwechsel oftmals mit starkem Jucken des Zahnfleisches einhergeht, kauen auch Welpen gern auf etwas Hartem herum. Babys bekommen dann meistens einen kühlbaren Beißring oder auch mal eine Veilchenwurzel, um das juckende, gereizte Zahnfleisch zu beruhigen. Welpen kauen auf allem herum, was ihnen zwischen die Pfoten und Zähne kommt.

Wenn du bei einem Welpen auf Nummer sicher gehen willst, dass er nicht zerkaut, was gesundheitsschädlich für ihn sein könnte, kannst du ihm verschiedenes Kauspielzeug und Kauknochen anbieten, damit er daran seinen Trieb befriedigen kann.

Das gilt übrigens nicht nur für Welpen, denn da gerade das Kauen ein so elementares Verhalten eines Hundes ist, sind alle Hunde für einen schönen Kauknochen oder anderes Kauspielzeug dankbar.

Meine Lia ist der einzige Hund der sich gerne zwischendurch mit kauen beschäftigt. Bei ihr kommen die Kauseile hervorragend an. Verwende aber am besten nicht gefärbte Kauseile:

Fazit:

Du musst dir keine Sorgen machen, wenn dein Hund ab und zu mal auf einem Stöckchen herumkaut und auch mal etwas davon verschluckt.
Wenn dies jedoch ein auffälliges Verhalten darstellt, solltest auf jeden Fall herausfinden, woran dies liegen könnte.

Da aber alle Hunde gerne kauen und dies eine gute Beschäftigung ist, bei der sie auch etwas für die Gesundheit ihrer Hundezähne tun, solltest du deinen Liebling immer mal wieder einen Kauknochen oder ein interessantes Kauspielzeug zum Kauen geben.

Hundeliebe Grüße 🐶

Deine Désirée

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat dann teile ihn doch mit deinen Freunden.

About the author 

Désirée Scheller

"Ganzheitliche Hundetrainerin seit 2011".- 💚 zert. Problemhundtherapeutin & zert. Gebrauchshundeausbilderin. - Fachgebiete sind Problemhunde, Hundeverhalten und Gruppenhaltung/Mehrhundehaltung. - Ich begleite Dich auf dem Weg zu einem entspannten Hund-Mensch-Team.

  • Tolle Seite, sehr informativ und interessant, vor allem aber auch sehr persönlich und authentisch, da du mit den Bildern deiner eigenen Hunden arbeitest!!

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

    Dein Hund hat Schwierigkeiten mit dem alleine bleiben? Dann hol dir mein kostenloses E-Book!

    >