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Dezember 4, 2021

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Man sieht sie überall, die auf der Wiese stehenden, ihrem Hund ständig wieder den Ball werfenden, Hundehalter. Auf die Frage hin, was die beiden dort tun, folgt oft die Antwort: Das es sich um ein Ball-Spiel handelt. Aber ist das Bällchen werfen für den Hund wirklich ein Spiel?

Ist Bälle werfen für den Hund sinnvoll?

Die Antwort darauf hängt davon ab, was du mit dem Bälle werfen bezwecken möchtest. 
Befindet sich dein Hund in einer Ausbildung zum Beispiel zum Jagd- oder Schutzhund, ist das triggern auf einen Ball beziehungsweise eine Beute durchaus sinnvoll.

Für den Privatbereich allerdings, würde ich dir grundsätzlich vom Bälle werfen abraten. Viele, nein schon fast alle Hundehalter, verwechseln das Hinterherzulaufen des Balles mit Freude. 
Dabei läuft der Hund dem Ball ausschließlich des Triebes wegen hinterher. 

Beispiel: Hast du einem Pferd schon mal einen Ball geworfen? Und, ist es hinterher gelaufen? Nein? Kein Wunder, denn es hat nicht die dafür ausgelegten Triebe.

Jagdtrieb wird gefördert durch das Ball werfen gefördert

Besonders im Junghundealter, um den 8. Monat herum, dann wenn die Triebe ausgeprägt werden, sollte man diese Triebe fördernden Spiele unterlassen. Oder möchtest du deinen Hund nicht lieber entspannt ableinen können, ohne jedes Mal befürchten zu müssen, dass er dir wegen seines Jagdtriebes abhaut?

Deinen Hund ständig mit Bälle werfen zu beschäftigen, kann sogar im schlimmsten Fall dazu führen, dass du dir einen regelrechten 𝗕𝗮𝗹𝗹𝗷𝘂𝗻𝗸𝗶𝗲 produzierst!

Gelenke schädigend

In der Regel wird sehr abrupt gestartet, manche Hunde hopsen zusätzlich noch wie Flummis vor lauter Aufregung und wenn der Ball dann erreicht wird – möglichst noch während er sich bewegt – wird genauso abrupt gestoppt.

Das kann insbesondere bei noch wachsenden Hunden zu Deformationen mit gravierenden Spätfolgen führen. Fußgelenke, Handgelenke und Schultern werden extrem belastet.

Insbesondere die Kniegelenke sind – auch bei erwachsenen Hunden! – stark gefährdet und es kommt gar nicht so selten zu Kreuzbandrissen durch diese abrupten Starts und Stopps. Oft wird das Humpeln gar nicht so ernst genommen und erst mal kein Tierarzt aufgesucht, dann ist es weg und erst später wird der Schaden bemerkt, weil der Hund immer mal wieder humpelt.

Durch häufiges Humpeln und Schonhaltungen entstehen aber Arthrosen, die dem Hund später massive Probleme bereiten.

Sollte Dein Hund schon unter Schmerzen im Bewegungsapparat leiden, kannst du ihm mit Hundephysiotherapie und/oder CBD-Öl sehr gut unterstützen.

Vom Ball werfen zum Balljunkie

Der ein oder andere wird ihn mit Sicherheit kennen: 𝗗𝗲𝗻 𝗕𝗮𝗹𝗹𝗷𝘂𝗻𝗸𝗶𝗲. Doch wie Geschieht so etwas? Wie kann ein Hund zum regelrechten Balljunkie werden?

Schuld daran sind Botenstoffe (Hormone). Um genau zu sein der Botenstoff 𝗗𝗼𝗽𝗮𝗺𝗶𝗻. 

DOPAMIN

wird auch als Kampf- Flucht- Lern- oder selbst Belohnungsbotenstoff bezeichnet. Befindet sich der Hund in einer Problemsituation und findet eine für ihn erfolgreiche Lösung, hat das die Ausschüttung von Dopamin zufolge. Der Hund hat dadurch die Möglichkeit, sich selbst zu belohnen und sich Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Da dieses Gefühl als angenehm empfunden wird beziehungsweise Stress und Angst mindert, wird der Hund in Zukunft immer wieder versuchen, diesen angenehmen Zustand hervorzurufen. 

Beispiel Ball: Beim Ball hinterherlaufen, gerät manch ein Hund in einen extremen Triebzustand, der beim Hund enormen Stress auslöst. Beim erlangen des Balls wird dann das Glücksgefühl hervorgerufen, welches dem Stressgefühl überwiegt.

Da Dopamin zu den wasserlöslichen Hormonen gehört, deren Wirkung immer nur so lange anhält, wie die Zielzelle dadurch aktiviert wird, ist der Hund darauf angewiesen, ständig für Nachschub zu sorgen. 
So entsteht dann eine regelrechte Sucht nach diesem Gefühl. Der Hund hat dann dieses Gefühl mit dem Ball verknüpft und gerät jedes Mal wieder in diesen extremen Zustand, wenn er einen Ball sieht (Suchtverhalten).

Lass mich dir also ins Herz legen: wenn du bei deinem Hund bemerken solltest, dass er sich in das 𝗕𝗮𝗹𝗹𝘀𝗽𝗶𝗲𝗹 immer weiter hinein steigert, dann solltest du dies, deinem Hund zuliebe, in Zukunft tunlichst vermeiden. 

Wie sieht es aus wenn ein Hund in den Trieb wechselt?

Im ersten Teil des Videos kann man gut erkennen, dass Katy den Ball schon riechen kann. Allein der Geruch des Balles lässt Katy schon abgelenkt und nervös werden. 

Im nächsten Teil des Videos, als der Ball nun für Katy ersichtlich ist, gibt es für sie kein halten mehr. Sie ist nun absolut 𝘁𝗿𝗶𝗲𝗯𝗴𝗲𝘀𝘁𝗲𝘂𝗲𝗿𝘁. Dieses 𝘁𝗿𝗶𝗲𝗯𝗴𝗲𝘀𝘁𝗲𝘂𝗲𝗿𝘁 sein, verlangt nun eine 𝗧𝗿𝗶𝗲𝗯𝗯𝗲𝗳𝗿𝗶𝗱𝗶𝗴𝘂𝗻𝗴, heißt, dass Katy nun alles darum geben wird um an diesen Ball zu gelangen.

In diesem Fall hier geht es bei Katy rein um den Beutetrieb, dies ist am Ende des Videos gut zu erkennen. Als Katy den Ball nun endlich hat, lässt sie sich in sicherer Entfernung nieder um sich ihrer 𝗧𝗿𝗶𝗲𝗯𝗯𝗲𝗳𝗿𝗶𝗲𝗱𝗶𝗴𝘂𝗻𝗴 hinzugeben. 

Alternative zum Ball werfen

Als Alternative für euer Bällchen Spiel, könntest du mit deinem Hund bindungsstärkende Dinge trainieren. Übrigens, alles was du mit deinem Hund zusammen machst, ist bindungsstärkend. Es gibt ganz viele tolle Dinge die du und dein Hund trainieren könnt, die obendrauf noch euren Spaziergang attraktiver und spannender werden lassen.

Beispiel: Absitzen und ran rufen

Du bringst deinen Hund also bei, sich hinzusetzen und erst ab einer gewissen Entfernung auf deinen Rückruf hin zu dir zu kommen. Diese eine Sache kann man wunderbar ausarbeiten und auf verschiedene Art und Weise in euren Spaziergang integrieren. Übrigens auch eine sehr nützliche Übung, wenn dein Hund warten soll wenn zum Beispiel andere Hunde oder Menschen an euch vorbeilaufen.

Aufbau des Trainings

Gib deinem Hund das Kommando „Sitz“. Nun gibst du ihm erstmal dafür, dass er Sitz gemacht hat ein Stück Futter. Warte ein paar Sekunden und gib ihm dann wieder ein Stück Futter fürs sitzen bleiben. Steht er zwischendurch auf, bringst du ihn durch das Kommando wieder zurück in den Sitz. Hier geht es also zu aller erst nur darum, dass der Hund lernt sitzen zu bleiben wenn du vor ihm stehst. Und das so lange bist du das Kommando wieder auflöst.

Erst wenn dein Hund das verstanden hat, dann weitest du das Training aus, indem du erst mal einen Schritt rückwärts gehst. Für das sitzen bleiben bekommt er dann wieder ein Stück Futter. Geh den einen Schritt wieder vor und dann wieder zurück. Das machst du dann so lange, bis dein Hund auch das verstanden hat. So gehst du dann immer weiter vor. Du trainierst erst den einen Schritt, dann den zweiten, dritten usw., bis du dich beliebig weit von deinem Hund entfernen kannst, ohne das er aufsteht.

About the author 

Désirée Scheller

"Ganzheitliche Hundetrainerin seit 2011".- zert. Problemhundtherapeutin & zert. Gebrauchshundeausbilderin. - Fachgebiete sind Problemhunde, Hundeverhalten und Gruppenhaltung/Mehrhundehaltung. - Ich begleite Dich auf dem Weg zu einem entspannten Hund-Mensch-Team.

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